Ist ein Quereinstieg vom Kundenservice ins Online Marketing möglich, auch ohne Marketing-Studium?
Ja. Ich bin der Beweis dafür, gerade mitten im Prozess: über zehn Jahre Kundenservice und B2B-Fachberatung, davon drei Jahre mit Fokus auf touristische Fachberatung, keine Sekunde Marketing-Erfahrung, und trotzdem seit diesem Jahr in der Vollzeit-Weiterbildung zur Digital Marketing Managerin mit IHK-Zertifikat. Was den Unterschied macht, ist nicht ein Studium, sondern das, was ich aus dem Kundenservice mitbringe: der direkte Kontakt zu Menschen, Beratung unter Druck, und die Fähigkeit, Vertrauen aufzubauen, drei Dinge, die im Online Marketing genauso zählen wie im direkten Kontakt am Telefon oder persönlich am Empfang.
Warum ich überhaupt gewechselt habe
Nach Stationen bei A.I.S.L. Airline Industry Service Line GmbH (B2B-Fachberatung für Reisebüros rund um TUI-Produkte), EasyPark GmbH (Kundenservice im Mobile-Payment-Bereich), einer Zwischenstation im Empfangs- und Praxismanagement bei Zahnwelt Hannover und zuletzt als Business Coordinatorin bei Berlitz Deutschland GmbH war der rote Faden immer derselbe: Kommunikation, Koordination, Beratung. Was mir 2026 klar wurde: In vielen Branchen wird es ohne KI-Kompetenz und digitale Skills zunehmend schwerer, auf dem Arbeitsmarkt mitzuhalten. Statt abzuwarten, habe ich mich entschieden, genau diesen digitalen Teil aktiv nachzuholen. Fachlich ist das ein großer Sprung, Online Marketing, E-Commerce, KI und Content Creation haben mit klassischem Kundenservice erst mal wenig gemeinsam. Was bleibt, ist der Kern: Zielgruppen verstehen, überzeugend kommunizieren, Vertrauen aufbauen. Deshalb sehe ich es weniger als kompletten Neustart, sondern als Übertragung vorhandener Stärken auf ein neues Feld, ergänzt um das digitale Handwerkszeug, das mir bisher gefehlt hat.
Was mir selbst nicht bewusst war
Im Kurs Online Marketing habe ich gelernt, wie man die eigene digitale Sichtbarkeit systematisch prüft, und genau das dann direkt an mir selbst ausprobiert: ein Audit, wie man es auch für Kund:innenprojekte macht. Mein LinkedIn-Profil hatte ich erst kurz zuvor im September angelegt, komplett ausgefüllt mit Foto und Werdegang. Das Ergebnis der Prüfung zeigte trotzdem: 0 Profilansichten, 0 Impressions, 0 Suchauftritte innerhalb von sieben Tagen. Ein vollständiges Profil allein macht eben noch nicht sichtbar, das gilt vom ersten Tag an. Das Prinzip dahinter erkannte ich später in dem SEO-Teil der Weiterbildung: Bevor eine Seite überhaupt sichtbar werden kann, muss sie für Suchmaschinen crawl- und indexierbar sein, ob das nun die eigene Website ist oder eben ein LinkedIn-Profil mit falsch eingestellter Sichtbarkeit.
Bei Google war ich unter meinem eigenen Namen beruflich schlicht nicht auffindbar. Beim Audit ist mir dabei noch etwas anderes aufgefallen, unabhängig von der Google-Sichtbarkeit: Ich hatte über die Jahre etwas aufgebaut, das ich selbst nie als berufliche Kompetenz eingeordnet hatte, einen privaten Reise-Account mit über 1.000 Followern, komplett organisch, ganz ohne Werbebudget, noch aus der Zeit vor Instagram Reels. Bewusst privat gehalten, sollte also gar nicht bei Google auftauchen, zeigte mir aber: Ich kann Reichweite und Vertrauen aufbauen, das hatte ich bisher nur nie als berufliche Kompetenz genutzt. Genau dieser Widerspruch, vorhandene Fähigkeit, aber komplett ungenutzt fürs Berufliche, war für mich der Auslöser, das Thema systematisch anzugehen statt es dem Zufall zu überlassen.
Was ich daraus gemacht habe
Aus dieser Bestandsaufnahme ist mein eigenes Portfolio-Projekt entstanden, parallel zur Weiterbildung: ein vollständiges Audit meiner Sichtbarkeit, eine Keywordrecherche mit echten Suchvolumen-Daten statt Bauchgefühl, und der Aufbau einer eigenen Website, die genau die Themen zeigt, die zu meinem Werdegang passen. Wie ich dabei konkret vorgegangen bin, von der ersten Bestandsaufnahme bis zur fertigen Seite, zeige ich ausführlich in der Case Study zu diesem Website-Projekt.
Was ich anderen Quereinsteiger:innen mitgeben würde
Zwei Dinge, die ich aus meinem eigenen Weg mitnehme:
1. Wenn du aus einem kommunikations- oder kundennahen Beruf kommst, ist deine bisherige Erfahrung kein Umweg, sondern Material. Kundenkommunikation, Beratung, Koordination sind keine Soft Skills am Rand, sondern genau das, was im Marketing gebraucht wird, wenn es um Zielgruppen, Botschaften und Vertrauen geht. Aus einem fachfremden Bereich lässt sich das nicht eins zu eins übertragen, bei mir hat genau das aber als Sprungbrett funktioniert.
2. Warte nicht auf den perfekten Moment, um dich zu zeigen. Ich neige selbst stark zum Perfektionismus, am liebsten würde ich erst alles können, bevor ich mich zeige. Aber genau das passt nicht zum Online Marketing: Hier zählt sichtbares Ausprobieren mehr als die perfekte Vorbereitung. Wer wartet, bis alles fertig ist, bleibt einfach unsichtbar.
Wie es weitergeht
Ich bin noch mitten in der Weiterbildung, mit Stationen in Content Creation, Social Media, E-Commerce und Performance Marketing vor mir. Welche Richtung sich davon für mich am meisten vertieft, entscheidet sich im Kursverlauf, und genau das werde ich hier weiter dokumentieren.